
Geschichte
Betrachtet man die heutige friedliche schwedische Gesellschaft, kann man sich schwer vorstellen, dass in früherer Zeit die Schweden ein Volk von Kriegern und Eroberer waren. Die Wikinger versetzten Europa in Furcht und Schrecken und die Kriegskönige Gustav II. Adolf (1594 - 1632) und Karl XII. (1682 - 1718) setzten mit Feldzügen in Russland, Polen, Balkan und Deutschland die blutige Tradition fort. Im 17. Jahrhundert war Schweden eine europäische Grossmacht, deren Ostseeherrschaft Finnland, die heutigen baltischen Staaten sowie die an der Ostsee gelegenen Teile von Russland, Polen und Deutschland umfasste. Auch Norwegen war der schwedischen Krone unterworfen. Die schwedische-norwegische Union wurde erst 1905 aufgelöst.
Anfang des 19. Jahrhunderts war Schweden nach jahrhundertelangem Kriegführen eine wirtschaftlich ausgehungerte kriegsmüde Nation, deren Überlebenschance vor allem im Frieden bestand. Die heutigen Grenzen des Landes wurden 1809 festgelegt. Seit 1814 ist Schweden an keinem Krieg mehr beteiligt gewesen. Nur wenige Nationen der Welt können auf eine solche lange Friedenszeit zurückblicken.
DAS SCHWEDISCHE WIRTSCHAFTSWUNDER
Die Friedenszeit war eine der Grundvoraussetzungen für den Aufbau der modernen schwedischen Gesellschaft. Dabei spricht man vom schwedischen Wirtschaftswunder, das wegen dem hohen Tempo manchmal mit dem japanischen Wirtschaftswunder späteren Zeiten verglichen wird.
Eine Reihe von Veränderungen im 19. Jahrhundert verbesserten die Voraussetzungen der Nation radikal. Der alte Ständereichstag wurde abgeschafft und die Wirtschaft dereguliert, was privates Unternehmertum ermöglichte. Durch den Ausbau des Eisenbahnnetzes wurden die ergiebigen nordschwedischen Naturressourcen an Wald, Erz und Wasserkraft plötzlich für die Gesellschaft und den Export nutzbar. Im übrigen Europa war die Industrialisierung bereits im Gange. Die Nachfrage nach schwedischem Bauholz, schwedischem Erz und schwedischen Industrieprodukten war fast unbegrenzt. Kapital begann nach Schweden zu strömen.
Eine grosse Anzahl einzigartiger schwedischer Erfindungen sowie glänzende unternehmerische Fähigkeiten in der metallverarbeitenden Industrie während einiger Jahrzehnten um die Jahrhundertwende legten den Grundstein für die schwedische industrielle Revolution. Lars Ericsson, Alfred Nobel, Gustaf de Laval, Jonas Wenström und viele mehr machten in dieser Zeit ihre Erfindungen und gründeten die Unternehmen, die noch heute das Fundament der schwedischen Exportindustrie bilden.
Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Schweden eine Position unter den führenden Industrienationen Europas inne. Diese Position wurde dann, trotz einiger vorübergehender Rückschläge, durch die beiden Weltkriege noch gestärkt. Weil Schweden sich als neutrales Land aus den Kriegen heraushalten konnte, verdiente die schwedische Industrie einerseits am Export an die aufrüstenden und kriegsführenden Nationen und anderseits am Wiederaufbau des zu einem grossen Teil zerstörten Europas, da der schwedische Produktionsapparat völlig intakt war.
DER WOHLFAHRTSSTAAT
Die Nachkriegsjahre 1945 - 1970 waren für Schweden eine beispiellose wirtschaftliche Blütenzeit. In dieser Ära entwickelte sich das Land zur reichsten Nation der Welt. Der Lebensstandard des Volkes wurde im Hinblick auf Wohnungen, Arbeitsleben, Bildung, Kinderbetreuung, Gesundheitswesen, Altersfürsorge sowie allerlei andere Sozialleistungen entscheidend verändert und verbessert. Im Ausland wurde die schwedische Verteilungspolitik, die auf einer durch hohe Steuern finanzierten allgemeinen Wohlfahrt basiert, als "3. Weg" bezeichnet, d.h. als Mittelweg zwischen Kapitalismus und Sozialismus. In Schweden wurde die neue Gesellschaft liebevoll "Volksheim" genannt; ein starker Staat, der fest entschlossen ist, sich solidarisch um seine Bürger zu kümmern.
DIE HEUTIGEN PROBLEME
Nach mehreren Jahrzehnten unaufhörlichen Wirtschaftswachstums wurde die schwedische Wirtschaft in den siebziger Jahren durch die Erdölkrise mit den ersten schweren Problemen konfrontiert.
Jedoch erst Anfang der neunziger Jahre wurde das Ausmass der Strukturprobleme der schwedischen Wirtschaft offensichtlich. Die überhitzte Konjunktur der achtziger Jahre brach da zusammen und riss grosse Teile des schwedischen Finanzsektors mit sich. Die weltweite Rezession zu Beginn der neunziger Jahre verlief in Schweden sehr aggressiv. Am schlimmsten war der dramatische Anstieg der Arbeitslosigkeit. Der schwedische Wohlfahrtsstaat wurde auf eine im internationalen Vergleich extrem hohe Beschäftigungsrate gegründet. Jetzt wuchs die Arbeitslosenquote innert kürze auf auf über zehn Prozent, wo die sich im grossen und ganzen noch immer befindet.
Die grosse Herausforderung im neuen Jahrtausend wird sein, das Volksheim zu retten und eine moderne Gesellschaft wiedererstehen zu lassen, die den schmalen "dritten Weg" weiterverfolgen kann, der eine starke, erfolgreiche Wirtschaft mit Sicherheit und Wohlfahrt für eine breite Bevölkerungsschicht vereint.
| Schwedische Könige seit 1523 |
| Gustav Wasa | 1523–1560 |
| Erik XIV. | 1560–1568 |
| Johan III. | 1568–1592 |
| Sigismund | 1592–1599 |
| Karl IX. | 1604–1611 |
| Gustav II. Adolf | 1611–1632 |
| Kristina (Vormundschaft 1632–44) | 1644–1654 |
| Karl X. Gustav | 1654–1660 |
| Karl XI. (Vormundschaft 1660–72) | 1672–1697 |
| Karl XII. | 1697–1718 |
| Ulrika Eleonora | 1719–1720 |
| Fredrik I. | 1720–1751 |
| Adolf Fredrik | 1751–1771 |
| Gustav III. | 1771–1792 |
| Gustav IV. Adolf (Vormundschaft 1792–96) | 1796–1809 |
| Karl XIII. | 1809–1818 |
| Karl XIV. Johan | 1818–1844 |
| Oscar I. | 1844–1859 |
| Karl XV. | 1859–1872 |
| Oscar II. | 1872–1907 |
| Gustaf V. | 1907–1950 |
| Gustaf VI. Adolf | 1950–1973 |
| Carl XVI. Gustaf | 1973– |
|
Gustav Wasas Aufruhr wurde aktiv von Lübeck unterstützt und mit dessen Hilfe konnte er 1523 Stockholm einnehmen. Noch im gleichen Jahr wurde er zum König gekrönt. Die Beziehungen zu Dänemark entschärften sich, da Kristian II. dort ebenfalls abgesetzt wurde. Die Abhängigkeit von Lübeck konnte 1533 endgültig abgeschüttelt werden.
|
Schwedisches Wappen ca.1600 |
| Innenpolitisch hatte Gustav Wasa das Ziel, die Zentralmacht zu stärken. Der erste entscheidende Schritt dazu war die Ratsversammlung in Västerås 1527, bei der die alte Ratsfront aufgelöst und die weltliche Macht der Bischöfe gebrochen wurde. Es wurden auch die ersten Schritte zur Reformation eingeleitet, die in den 30er Jahren zur Trennung von der katholischen Kirche führten. Die Konfiszierung der kirchlichen Güter, die etwa ein Fünftel des gesamten Grundbesitzes ausmachten, führte zu einer entscheidenden Stärkung der königlichen Finanzen. Gleichzeitig wurde die Grundlage für eine zentrale Administration gelegt, die nach ausländischem Vorbild in den Jahren 1538-42 modernisiert wurde, und ebenfalls das Steuerwesen wurde neu geordnet. Dies führte zu gewaltsamen Aufständen, die im Dacke-Aufstand von 1532 kulminierten. Weitere wichtige Schritte auf dem Weg zur Zentralisierung waren der Reichstag von Västerås 1544, bei dem das Wahlkönigtum durch das Erbkönigtum ersetzt wurde, und die Erneuerung der
Landesverteidigung. Nach dem Tode Gustav Wasas 1560 kam es zu Auseinandersetzungen zwischen seinen Söhnen. Zuerst wurde der älteste Sohn Erik XIV. König. Er wurde 1568 von seinen Brüdern Johan und Karl gestürzt und starb im Gefängnis, wahrscheinlich durch Giftmord. Sein Nachfolger war sein Bruder Johan III., dessen Sohn Sigismund polnischer und 1592 auch schwedischer König wurde. Da Sigismund aber Katholik war und man fürchtete, dass er die Gegenreformation unterstützen werde, wurde der lutherische Glauben auf der Versammlung von Uppsala 1593 vom Reichsrat und der Priesterschaft als Staatskirche eingeführt. Im Jahr danach leitete Herzog Karl, Sigismunds Onkel, den Machtkampf ein, der 1599 zur Absetzung Sigismunds führte und zur Krönung Karls 1604. Dies führte zu bitteren Auseinandersetzungen zwischen Schweden und Polen. Die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts war vom Kampf um die Herrschaft über das Baltikum geprägt. Der Zusammenbruch des Deutschen Ordensstaates führte zu einem Wettrennen um die Herrschaft über dessen Gebiete. 1561 stellte sich Estland unter schwedischen Schutz. In den folgenden Jahrzehnten kam es zu einer Reihe von Kriegen mit den Nachbarn Dänemark, Lübeck, Polen und Russland, vom Dreikronenkrieg (1563-1570) bis zum Kalmarkrieg (1611-1613). |
| Er leitete seine Regierung mit einer
völligen Neuorientierung der Außenpolitik ein, nämlich von der
Vergangenheit im Osten in eine Zukunft im Westen. In einem Übereinkommen
mit dem russischen Zar Alexander I. 1812 verzichtete er auf Finnland.
Schweden nahm daraufhin am Feldzug gegen Napoleon teil und wandte sich
dann gegen Dänemark, das 1814 gezwungen war, im Frieden von Kiel Norwegen
im Austausch für Schwedisch-Pommern an Schweden abzutreten. Als daraufhin
Norwegen seine Unabhängigkeit erklärte, erzwang Karl XIV. Johan durch
einen kurzen Feldzug die Gründung der schwedisch-norwegischen Union. Nach
diesem letzten Krieg führte er eine konsequente Friedenspolitik, die zur
Grundlage der schwedischen Neutralität wurde. Die napoleonischen Kriege hatten Schwedens Wirtschaft hart getroffen, was zu wirtschaftlicher Stagnation und tiefgreifenden Krisen führte. Schweden war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein ausgesprochener Agrarstaat, die Industrialisierung setzte erst spät ein. Die größten Reformen erfolgten auch im landwirtschaftlichen Bereich, wo umfassende Flurbereinigungs- und Parzellierungsverordnungen sowohl die wirtschaftliche Situation als auch die bäuerliche Kultur drastisch veränderten. Im industriellen Bereich, der von den zahlreichen Hüttenwerken dominiert war, führten neue Technologien und die Konkurrenz vor allem aus England zur umfassenden Stilllegungen. Ein großes Infrastrukturprojekt war der Bau des Göta-Kanals, der die Ostsee mit dem Kattegatt verbinden sollte, sich aber schon kurz nach seiner Einweihung als veraltet erwies. Dagegen erlebte Schweden eine Blütezeit im kulturellen und wissenschaftlichen Bereich. 1842 wurde in einer Schulreform der obligatorische Schulbesuch eingeführt und Volksschulen in jeder Gemeinde vorgeschrieben. Zwischen 1815 und 1850 stieg die Bevölkerungszahl von 2,5 auf 3,5 Millionen. Das Bevölkerungswachstum erfolgte vor allem auf dem Lande, auf dem 1850 noch 90% der Bevölkerung lebte, und führte zu großen sozialen Problemen. Eine Lösung bot die Auswanderung, die um 1840 vereinzelt begann, um 1860 richtig einsetzte und 1880 ihren Höhepunkt erreichte und erst ab 1900 ausebbte. In dieser Zeit verließen ungefähr 1,2 Millionen Schweden das Land. Nach dem Tode Karls XIV. Johan 1844, der innenpolitisch eine streng konservative Politik betrieben hatte, öffnete sich die Möglichkeit der Liberalisierung, zumindest im wirtschafts- und sozialpolitischen Bereich. Schrittweise wurden unter Oscar I. und seinem Nachfolger Karl XV. das Wirtschaftsleben liberalisiert und Sozialreformen durchgeführt. In einer Verfassungsreform 1865-66 wurde auch der Vierständereichstag durch ein Zweikammernparlament ersetzt. Ab 1870 begann der Durchbruch der Industrialisierung. Der Ausbau des Eisenbahnnetzes und neue Technologien in der Stahlerzeugung ermöglichten die Nutzbarmachung neuer Erzfunde in Norrland. Gleichzeitig erlebte die Holzindustrie einen Höhepunkt, und es entwickelte sich eine ansehnliche Papier- und Zellstoffindustrie. Neue Erfindungen führten zur Gründung von Unternehmen im Maschinenbau- und Elektrobereich (wie beispielsweise L.M. Ericsson, ASEA, Bofors, SKF, AGA). Gleichzeitig erlebte aber die Landwirtschaft eine schwere Krise. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte die Umwandlung vom Agrarland zur Industriegesellschaft. Die Einwohnerzahl stieg von 3,5 Millionen (1850) auf 5,1 Millionen (1900). Die Bevölkerung war zu großen Teilen nicht wahlberechtigt, aber es entstanden nun die großen Volksbewegungen, die auch heute noch einen deutlichen politischen Einfluss haben: die freikirchliche Erweckungsbewegung, die Abstinenzbewegung und die Arbeiterbewegung. In der Außenpolitik führte die Thronbesteigung Oscar II. 1872 zu einer Umorientierung von der traditionellen Freundschaft mit Frankreich zu einer immer deutlicher werdenden Annäherung an Deutschland, was sich im Militärwesen, in der Wirtschaft, in der Wissenschaft und im Kulturleben zeigte. Das schwierigste außenpolitische Problem aber waren die Beziehungen zu Norwegen, in dem sich immer stärker werdende Unabhängigkeitsbestrebungen bemerkbar machten, und das schließlich in die Auflösung der Union 1905 mündete. |
| Bären | Bilder | DiaShow/Wetter | Elche | Essen | Events 2010 | Fähren | Geschichte | Göteborg | Jedermannsrecht | Karte/Provinzen | Kommunen | Kurzinfo | Land und Leute | Links | Malmö | Persönlichkeiten | Stockholm | Traditionen | Touristische Infos | Webcams | Weihnachtsbilder | Wölfe | Gästebuch | Postkarten | Downloads | Länderlexikon |
© by r.planzer Januar 2004
updated 02. April 2010