Schweden Land und Leute

 

Schweden Land und Leute

Aus europäischer Sicht ist Schweden eine kleine Nation. 9 920 881 Einwohner (31. Juli 2016) auf einer Fläche von 449'964 km2. Mit dieser Einwohnerzahl gehört Schweden zu den am dünnsten besiedelten Ländern Europas. Dafür gibt es eine einfache Erklärung: das nordische Klima ist so hart und fordernd, dass es in früheren Zeiten keine grössere Bevölkerung ernähren konnte. Erst in moderner Zeit gelang es den Menschen, die Natur mit Hilfe der Technik zu "zähmen" und der Bevölkerung ein bequemes Leben zu ermöglichen. Dass soweit nördlich wie in Skandinavien überhaupt eine bedeutende Zivilisation entstehen konnte ist auf den Golfstrom im Atlantik, der entlang der norwegischen Westküste verläuft und das Klima in ganz Skandinavien erwärmt, zurückzuführen. Andere Landgebiete auf entsprechenden Breitengraden in anderen Regionen der Welt sind ja im grossen und ganzen unbewohnbar, da der Dauerfrostboden der Tundra Landwirtschaft und Viehzucht nicht zulässt.

Schweden besteht zu 80 Prozent aus riesigen Wäldern, Bergen, Seen, Flüssen, Mooren und Wildnis. Auch grosse Städte, darunter auch Stockholm, sind in der urwüchsigen Natur eingebettet. Das Verhältnis zwischen der Grösse der Natur und der Kleinheit des Menschen prägt noch heute die schwedische Seele. Der Zugang zu urwüchsiger Natur ist selbstverständliches Recht aller Schweden. "Allemansrätten" ein uraltes Gewohnheitsrecht, das Recht auf Gemeingebrauch, das in der Gesetzgebung verankert ist und jedem bei verantwortungs- und rücksichtsvollem Verhalten das Recht garantiert, sich überall in der Natur frei bewegen zu dürfen, ohne den Grundbesitzer um Erlaubnis zu bitten. Eine durch Liebe aber auch für die moderne schwedische Gesellschaft eine fast mit einer Staatsreligion zu vergleichen. Die Schätze der Natur machten Schweden zu einer reichen, fortschrittlichen Nation. Die Pflege der natur ist im schwedischen Bewusstsein tief verwurzelt. Mit grosser Entschlossenheit verteidigt und schützen die Schweden diesen nationalen Schatz, der immer einzigartiger und wertvoller wird, je mehr die Weltbevölkerung zunimmt. Frische Luft, sauberes Wasser, gesunde Wälder, freie grosse Flächen und intakte, urwüchsige Natur, die für alle zugänglich sind. 

Freundlich, fleissig, ordentlich, rechtschaffen, gutgläubig, schüchtern und reserviert, knauserig und ein bisschen schwerfällig - so wird der Schwede von ausländischen Beobachtern und auch von den Schweden selbst beschrieben. Stimmt dieses Klischee? Ja in vielem, im Guten wie auch im Schlechten. Noch vor gut einem Jahrhundert war Schweden ein primitives Bauernland, eines der ärmsten in Europa. Um in dem kargen Klima zu überleben, brauchte man Eigenschaften wie Fleiss, Geduld, Erfindungsreichtum und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit. Tugenden, die die Entstehung der heutigen schwedischen Gesellschaft geprägt haben. Gleichheit und Kollektivismus sind zwei Schlüsselbegriffe für die Beschreibung der Schweden. Die Überzeugung, dass kein Mensch wert ist als ein anderer, durchdringt das schwedische Weltbild. Von einem Schweden wird erwartet, dass er sich pflichtbewusst um seine Angelegenheiten kümmert, hart arbeitet und Verantwortung für andere übernimmt. Elitäres Bewusstsein, Extravaganz und Lebensstile, die von der Norm abweichen, sind für viele Schweden noch tabuisierte Erscheinungen.

Aber  der Schwede hat auch eine andere Seite, die dem oben beschriebenen, kontrollierten Bild widerspricht. Sie zeigt sich in einer Art Ausgelassenheit, einer Fähigkeit, Feste und Freizeit in vollen Zügen zu geniessen. Dem Schweden ist die Freizeit heilig - wenn er nicht arbeitet, widmet er sich unbekümmert den Annehmlichkeiten des Lebens, ohne sich allzu viele Gedanken darüber zu machen, was andere wohl denken.

Dazu gehört, dass in Schweden gerne gefeiert wird. Berühmt ist der Midsommer, nach Weihnachten das zweitgrößte Fest. Da zum Feiern ein Wochenende gehört, wurde 1952 gesetzlich festgelegt, dass Midsommar immer an dem Samstag zwischen dem 20. und 26. Juni begangen wird. Auch sportliche Anlässe werden zum Feiern genutzt. In der Vergangenheit war das die 39. Nordische Skiweltmeisterschaft, die vom 19. bis 28. Februar 1993 in der schwedischen Stadt Falun ausgetragen wurde.

 

Er widmet sich gerne seinen Hobbys, verbringt viel Zeit in der Natur: Bei einer Angeltour auf einem der vielen Seen kann er in Ruhe seinen Gedanken nachhängen und zudem einen leckeren Fisch zum "Middag" nach Hause bringen, beim Wandern auf dem Fjäll Elche beobachten oder eine Segeltour in die Schären unternehmen. Das soll nicht heißen, dass Schweden keine geselligen Menschen sind. Sie lieben zum Beispiel ihre Sauna, die sie oft nach ihren eigenen Vorstellungen selbst bauen.

Strebsam, pflichtbewusst und kontrolliert bei der Arbeit, in der freien Zeit ausgelassen und unbekümmert das Leben geniessend - eine gute Beschreibung des typischen Schweden, eines hoch zivilisierten Weltbürgers, der noch mit beiden Beinen mit der Erde verwurzelt ist.

Die Schweden schämen sich ihrer einfachen Herkunft, vielleicht beruht darauf ein weiterer typischer schwedischer Charakterzug: die Neigung, sich selbst in allen möglichen Zusammenhängen herabzusetzen und sich über sich selbst lustig zu machen. Wenige Völker dürften die negativen Seiten ihres Heimatlandes so begierig hervorheben wie gerade der Schwede. Ein Aussenstehender, der Schweden über ihr Land sprechen hört, kann leicht den Eindruck gewinnen, dass die Schweden ein äusserst antinationalistisches Volk sind.

Ein solcher Eindruck  wäre falsch. Die Klagen der Schweden sind statt dessen Ausdruck eines weiteren Charakterzuges: des Perfektionismus. Alles, was nicht perfekt ist, kann verbessert werden und muss deshalb nach schwedischer Auffassung beklagt werden. Das Gute ist häufig selbstverständlich.

 

Staatswappen Schweden

Staatswappen 

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